#5 Ju Young Kim und "Almost like Whale Watching"
Shownotes
Eine Metallverkleidung schwebt an Seilen im Ausstellungsraum BlackBox der Alexander Tutsek-Stiftung in München. Das Objekt sieht beinahe aus wie ein U-Boot. Im Metall sind Nieten sichtbar, die Form ist aerodynamisch. Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus: es ist ein Teil eines Flugzeugs, genauer gesagt ein „Kanu“ von der Unterseite der Tragfläche. Eingelassen in die Seiten ist geschwungenes Bleiglas, das an traditionelle Kirchenfenster erinnert. Die koreanische Künstlerin Ju Young Kim hat dieses Werk Almost like Whale Watching genannt.
Wir sprechen mit der in München und Seoul lebenden Künstlerin Ju Young Kim (*1991 in Seoul, Korea) über ● das Werk „Almost like Whale Wachting“ (2024) ● die Bedeutung des Reisens im Werk von Ju Young Kim ● den Zugang der Künstlerin zu dem Medium Glas Ausstellung: "Future Horizons" – noch 19. Juli 2026 in der BlackBox und im BlackBox FirstFloor, Parkstadt Schwabing, München (https://atstiftung.de/aktuell/))
**Weiterführende Links **● Alexander Tutsek-Stiftung: https://atstiftung.de/ Publikation: About Glass. Contemporary Sculpture and Installations https://atstiftung.de/produkt/about-glass-contemporary-sculpture-and-installations/
Transkript anzeigen
00:00:00: Eine Metallverkleidung, glatt und geschwungen, schwebt an Seilen im Ausstellungsraum.
00:00:06: Das Objekt sieht fast aus wie ein U-Boot.
00:00:08: Im Metall sind Abdrücke von Schrauben sichtbar – die Form ist aerodynamisch.
00:00:14: Bei genauerem Hinsehen stellt sich heraus es ist ein Teil eines Flugzeugs.
00:00:20: Eingelassen in die Seiten ist geschwungenes Bleiglas das an traditioneller Kirchenfenster erinnert.
00:00:26: Die koreanische Künstlerin Juyeon Kim hat dieses Werk almost like whale-watching genannt.
00:00:32: Fast wie das Beobachten von
00:00:34: Wahlen.".
00:00:36: Das Beobachten von Walen verbindet sich für mich mit einem historischen Aspekt, man fährt ans Meer nimmt sich Zeit und wartet darauf etwas Fremdes und Mystisches zu sehen.
00:00:45: also habe ich die beiden Dinge kombiniert.
00:00:48: Die aerodynamische Verkleidungen entworfen Für Geschwindigkeit und Sichtbarkeit werden für mich soweit sie berührt und in den Ausstellungsraum gebracht Werden fast zu einem archäologischen Artefakt In eine Museum.
00:01:00: Das Flugzeug, ein Objekt das für die moderne globalisierte Gesellschaft steht.
00:01:05: In Juyeon Kims Händen wird das Industrieobjekt zu etwas, das weit über dessen ursprüngliche Funktion hinausweist – eine fast mystische Qualität hat!
00:01:15: Für unseren Podcast haben wir mit Juyeon kim über ihre Arbeit gesprochen und darüber was es bedeutet immer unterwegs zu sein ohne richtig anzukommen.
00:01:37: Seit Jahren sammelt, bewahrt und erforscht die Alexander Tutschek-Stiftung Glas im Kontext der zeitgenössischen Kunst.
00:01:45: Im Dezember zweitausend startete die Stiftung mit einer Vision dem übersehenden und besonderen in Kunst und Wissenschaft Aufmerksamkeit zu schenken.
00:01:55: Daraus ist unter anderem eine der bedeutendsten Sammlungen von Glas in der zeit genösslichen Kunst weltweit geworden.
00:02:02: Heute zum fünfundzwanzigsten Jubiläum gibt die Ausstellung Future Horizons einen Einblick in diese Sammlung, genau wie dieser Podcast.
00:02:13: Mein Name ist Sarah Fischbacher.
00:02:15: In jeder Folge schauen wir uns eines der ausgestellten Werke genauer an.
00:02:20: Lernen Künstlerinnen und Künstlern kennen?
00:02:22: Und tauchen ein in die Welt von Glas in der zeitgenössischen Kunst!
00:02:26: Die Werke sind bis Juli-Jubel im Ausstellungsräumen Blackbox und Blackbox First Floor in Münchens Parkstadt Schwabing zu sehen.
00:02:36: Weitere Informationen findet ihr in den Shownotes.
00:02:39: Das ist Jujung Kim und Almost Like Whale Watching.
00:03:00: Ich erinnere mich nicht genau, wann ich das erste Mal geflogen bin Aber als ich so zwölf oder dreizehn war musste ich allein nach Deutschland fliegen weil mein Vater für ein deutsches Unternehmen arbeitete und auf Geschäftsreise war.
00:03:11: Ich sollte ihn begleiten aber mit einem anderen Flug.
00:03:17: Eine ihrer ersten Erinnerungen an Flugzeuge, die später zu einer wichtigen Inspiration für ihre Kunst wird, liegt für Juyeon Kim in ihren Teenagerjahren.
00:03:26: Damals lebt sie noch ins Soul – ihrem Geburtsort der Hauptstadt Südkoreas.
00:03:34: Ich fragte mich... Wie fliegt man mit dem Flugzeug?
00:03:37: Das ist nicht wie ein Auto oder ein Schiff.
00:03:39: Man braucht einen Reisepass und muss all die Prozesse am Flughafen durchlaufen, aber mein Vater sagte du nimmst einfach deinen Pass mit.
00:03:47: das reicht so einfach.
00:03:50: ich glaube dass war mein erster alleinflug überhaupt.
00:03:54: der Servierwagen der Getränke Service und das Essen.
00:03:57: das war das schönste auf dem langen Flug als Kind
00:04:05: Der schmale Getränkewagen mit den unzähligen Klappen- und Schubladen.
00:04:08: Für die meisten Passagiere sind das unsichtbare Dinge an Bord, für Kim werden sie zum Material.
00:04:15: Jahre später findet sie einen ausgedienten Bord Trolli und beginnt ihn umzufunktionieren.
00:04:22: Auf den Trolligehäusen sind verschiedene Landskarten.
00:04:25: Ich habe sie mit Laser in das Metall geschnitten.
00:04:27: Die Gehäuse zeigen unterschiedliche Legenden und Bilder von Karten, die der Trollie trägt statt Speisen und Getränken.
00:04:34: Er hat auch Bleiglasmuster, die aus den Karten ausgeschnitten wurden.
00:04:38: So ist er wie außer Betrieb – trägt aber all diese Bedeutungen, Symbole und Metaphern des
00:04:43: Reisens.".
00:04:46: Der Trolli ist Teil der Werkserie Aeroplastics, genauso wie Almost Like Whale-Watching.
00:04:52: Mit der Serie hat Jujung Kim im Jahr zwei Tausend vierundzwanzig ihr Diplom an der Akademie der bildenden Künste München abgeschlossen.
00:04:59: Ausgezeichnet mit dem debutant innenpreis!
00:05:02: In der ganzen Serie denkt sie Flugzeugteile neu.
00:05:05: Zum Beispiel?
00:05:07: Eine ausgediente Dreiasitzbank steht auf Blaum-Teppich, die Sitze auf Aluminium Silhouetten reduziert.
00:05:14: Wo Kopfstützen waren sind Bleiglasplatten mit Mustern wie Luftfahrkarten – ein Objekt ohne Abflug oder
00:05:20: Ankunft.".
00:05:25: Ich sprach mit einem Freund über diese starke Erinnerung und er hatte den Gedanken, wie es ist, die Luft von irgendwo einzuatmen.
00:05:32: Man fliegt von einer Seite zur anderen und denkt, atme ich noch dieselbe Luft wie ins Soul oder nicht.
00:05:39: Solche Gedanken kommen mir oft denn wir alle tragen unsere Herkunft vor einem Ort und bringen sie in ein anderes Land.
00:05:47: Man trägt sie im Körper während dieser Körper blitzschnell in ein anderer Land fliege.
00:05:52: Und dennoch trägt man ähnliche innere Einstellungen in seiner Kapsel mit sich.
00:05:59: Julian Kim verbringt viel Zeit in Flugzeugen.
00:06:21: Für mich ist es ein stressiger Moment, aber auch eine sehr konzentrierte Zeit um über mich selbst und meine Pläne nachzudenken.
00:06:28: Dieser emotionale Aspekt der eigenen inneren Welt.
00:06:32: Ich sage nicht, dass es mir keinen Spaß macht.
00:06:34: Aber es ist auch ein Arbeitsmoment.
00:06:36: Ich beobachte viel!
00:06:37: Ich mache viele Fotos die ich für meine Fotografie und für die Glasarbeiten verwende.
00:06:42: Ich schaue auf alle Details.
00:06:44: Wie ist das zusammengesetzt?
00:06:46: Wie wird es hergestellt?
00:06:47: Neue Flugzeuge kommen auf den Markt und haben andere Innenräume.
00:06:51: Türen sind anders – und es gibt kleine Details, die ich während meines Fluges beobachte.
00:06:59: Während ihrer Flüge konzentriert sie sich eher auf ihre Arbeit beobachtet die Details um sie herum, aber das Beobachten nach außen ist nur die eine Seite.
00:07:08: Irgendwann, irgendwo über dem Himalaya dreht sich der Blick auch nach innen.
00:07:17: Es ist eine Kapsel, die vom Rest der Welt abgeschnitten ist.
00:07:20: Ich habe darin kein schlechtes Gewissen dabei alles zu tun was ich möchte!
00:07:24: Ich kann die ganze Zeit Netflix schauen oder schlafen und nichts tun Aber ich merke gleichzeitig, dass ich mich mehr als sonst auf mich selbst konzentriere.
00:07:33: Man ist in einem physischen Sinne von allem abgeschirmt und bemerkt dann vielleicht etwas in sich – es können Sorgen sein, Pläne oder die Zukunft.
00:07:42: Diese philosophischen Gedanken und Fragen über sich selbst, wohin gehe ich?
00:07:46: Was tue ich hier?
00:07:48: Tauchen ständig auf!
00:07:49: Und werden für mich sehr
00:07:50: emotional.".
00:07:56: Sie ist das konzeptuelle Rückgrat ihrer gesamten Arbeit.
00:08:00: Was passiert mit dem Geist und Körper, ausgesetzt zwischen dem Start und dem Ziel?
00:08:06: Was geschieht mit uns dort oben in der
00:08:08: Troposphäre?".
00:08:11: Das Wesentliche war dieser Kontrast zwischen dem Moment des Übergangs und dem Zustand der Beständigkeit – man gehört keinem von beidem wirklich an!
00:08:20: Der Gedanke im Übergang zu sein, ist der Kern meiner
00:08:23: Arbeit.".
00:08:27: Die Mitte dreißigjährige Künstlerin fühlt sich oft als würde sie in einem Zustand der Transition leben.
00:08:33: In ihrer Arbeit spürt Kim den inneren und physischen Distanzen nach, ihre Werke greifen die Transiträume auf, indem sich Reisende regelmäßig bewegen.
00:08:42: Kim stellt dabei Fragen nach Identität und Zugehörigkeit, die sie selbst kennt.
00:08:46: Wo gehöre ich hin?
00:08:48: Was nehme ich mit wenn ich gehe?
00:08:50: Was bleibt, wenn ich
00:08:51: wiederkomme?".
00:08:53: Ich habe immer noch das Gefühl, es ist unbestimmt.
00:08:56: Ich fühle mich weder in München noch ins Seoul wirklich verwurzelt.
00:08:59: Weil ich München vermisse wenn ich ins Seoul bin und Seoul vermisse, wenn ich in Münchend bin.
00:09:05: Ich lebe jetzt seit sieben Jahren in Münche aber ich habe immernoch nicht das Gefühl dazu zu
00:09:09: gehören.".
00:09:11: Und Seoul bietet da auch nur noch wenig Zuflucht.
00:09:13: Die Stadt die Sie kennt gibt es so nicht mehr.
00:09:16: Immer wenn sie nach Seoul zurückkehrt sieht alles anders aus.
00:09:21: Durch die Unterschiede der beiden Städte fallen Jujong Kim aber auch mehr Details auf.
00:09:28: Seoul wurde im Grunde genommen nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut.
00:09:32: Jeder Teil ist neu und wir verändern uns sehr schnell, bleiben nicht so wie wir sind – vergleichen zum Beispiel mit Deutschland.
00:09:39: Für mich ist das Interessanteste zwischen diesen zwei verschiedenen Welten vielleicht die Geschwindigkeit und wie sie ihre Geschichte bewahrt haben, Es ist sehr interessant, diese Vergleiche und Kontraste zu sehen.
00:09:54: Neugebaute Architektur, Strukturen oder Technologie von heute verglichen mit den handwerklichen Traditionen von früher einem anderen Baustil.
00:10:04: Der Unterschied zwischen den beiden Welten zeigt sich nicht nur in Architektor- und Tempo.
00:10:09: Dazu kommt Sprache.
00:10:11: Auch sie markiert die Grenze zwischen dazugehören und Fremdsein Manchmal in den unscheinbarsten Momenten.
00:10:21: Es gibt eine andere Art von Freiheit in Deutschland und in Korea.
00:10:25: In Korea arbeite ich viel, und die Menschen arbeiten auch viel – also gibt es mehr Tempo als in München.
00:10:32: Und dann ist da noch die emotionale Seite wie man mit Menschen in einer anderen Sprache umgeht.
00:10:38: Wir alle kennen diese Momente, in denen man versucht eine unbekannte Sprache auf einem Etikett im Supermarkt zu lesen.
00:10:45: Man hat keine Ahnung was da steht und versucht es herauszufinden.
00:10:49: Solch ein kleiner Moment ist sehr entfremdend von der Gesellschaft.
00:10:52: Diese kleinen Details machen einen Unterschied
00:10:56: und doch versucht die Künstlerin sich überall einzurichten, um im Transit auch anzukommen.
00:11:02: Ich glaube, es geht darum sich zu justieren.
00:11:05: Man passt sich ein wenig hier und dort an und fühlt sich vielleicht etwas mehr zu Hause.
00:11:09: aber ich habe auch erkannt dass es dieses Zuhause in Korea nicht mehr gibt weil ich schon so lange weg bin und sich alles verändert hat.
00:11:16: Ich orientiere mich an der Vergangenheit die es nicht mehr gibt.
00:11:20: man sucht nach etwas das man früher kannte und es ist nicht mehr da.
00:11:24: dieser Moment kombiniert mit dem zeitunterschied und den physischen raum erzeugt diesen merkwürdigen Kontrast oder diesen Zwischenraum.
00:11:33: Dieses Gefühl der Schwebe zwischen zwei Welten, zwei Zeiten und zwei Identitäten hat Kim in ihrer Kunst in ein konkretes Bild übersetzt.
00:11:44: Für mich ist das Flugzeug zu einer Art Passage geworden wie zwei verschiedene Welten verbindet.
00:11:49: Es ist nicht nur ein Transportmittel sondern ein Wartezimmer dass verschiedene Wirklichkeiten miteinander verbindet So wie man in einem Wartezimmer auf seinen Arzt wartet und sich vorbereitet, was ist die Antwort?
00:12:01: Was ist die Frage, die als Nächstes kommt.
00:12:04: Dort fand ich mein Interesse an dem Raum zwischen zwei verschiedenen Zeiten – besonders durch den Einsatz von Handwerk, wie Bleiglas und Gitter und verschiedene handwerkliche Techniken, die in die Architektur integriert sind.
00:12:15: Elemente, die man hier nicht so oft sieht, in europäischen Ländern aber
00:12:19: schon.".
00:12:21: Das Verhältnis von Hand werk- und industrieller Produktion von Vergangenheit und Gegenwart.
00:12:26: Das ist ein roter Faden in Jujong Kims Werk.
00:12:29: Ihre Skulpturen- und Installationen kombinieren Flugzeugteile mit architektonischen Elementen im Jugendstil, dabei greift sie auf eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien und Techniken zurück – darunter Metall-, Glasmalerei- und Kunststoff.
00:12:45: Sie bewegen sich zwischen Hightech und Nostalgie, besonders prägend die Arbeit.
00:12:53: Ich habe mich früher in Seoul mit Glas beschäftigt, aber auf andere Weise.
00:12:57: Denn wir hatten keine Kaltverarbeitungswerkstätten für Bleiglas.
00:13:00: Das sind eher europäisch geprägte Techniken.
00:13:03: Wir hatten Öfen, in denen wir das schmelzen und fusionieren Und alle anderen heiß Verarbeitungstechniken lernten.
00:13:09: Damit bin ich in meinem Bachelorstudium in Berührung gekommen.
00:13:14: In München beschäftigt sich Kim dann gezielt mit Glasmannerei Einer Technik die sie in Korea so nicht kennenlernen konnte Denn München ist für sein Glashandwerk bekannt.
00:13:24: Die Akademie verfügt über eine exzellente Glaswerkstatt und überall in der Stadt, in Kirchen, öffentlichen Gebäuden, historischen Bauten begegnet einem das farbige Glas.
00:13:35: doch nicht nur die Technik ist eine andere.
00:13:39: In der deutschen Kultur ist es sehr religiös geprägt In der europäischen Kultur im Allgemeinen, weil es eng mit der Kirche und der katholischen Kultur verbunden ist.
00:13:48: Besonders in Bayern haben alle Kirchen- und Großstädte in europäischen Ländern große Kathedralen.
00:13:54: In Korea wird Glas eher für Wohnen oder Gewerbebauten verwendet – nicht wirklich für Kirchen!
00:14:00: Dort ist es eher ein zeitgenössisches Material, Teil großer Architektur.
00:14:05: In Europa ist Bleiglas eher das Wesen der Architekatur selbst weil es Bedeutungen, Fertigkeiten und kostbare Momente im Glas trägt.
00:14:13: Bei der Verwendung von Glas überträgt Kim die Dualität ihrer Installationen auf die materielle Ebene – denn das Materialglas selbst ist auf eine Weise in Transition.
00:14:24: Im Ofen kann es sehr flüssig sein!
00:14:26: Und wenn es abkühlt, dann sehr weich und sehr hart, sehr scharf und sehr zerbrechlich werden.
00:14:33: In seinem chemisch-physikalischen Zustand ist Glas weder am klassischen Sinne flüssIG?
00:14:39: Noch fest, seine atomare Struktur ist ungeordnet wie die einer Flüssigkeit.
00:14:44: Aber es ist starre und behält seine Form.
00:14:46: Es ist ein Material mit Gedächtnis das keine klare Grenze kennt Und genau diese Eigenschaft fasziniert Kim.
00:14:54: Sie lässt dieses uralte Material dann auf das modernste Transportmittel treffen.
00:15:00: Im Transportwesen verwendet man eigentlich kein Glas Nur in manchen Teilen zum Beispiel bei der Bahn Die Türen zwischen zwei Vagons und die Fenster.
00:15:09: Aber in einem Flugzeug verwendet man nur Kunststoff, kein Glas.
00:15:12: Ein technisch stark modifizierten Kunststoff.
00:15:15: Es gibt spezielle Kunststoffe die für hohe Temperaturen, Druck- und Extrembedingungen ausgelegt sind.
00:15:21: Das ist gewissermaßen ein Spezialmaterial das für extreme Bedingungen entwickelt wurde.
00:15:28: Flugzeugfenster werden aus gedehnten Acrylglas gefertigt So transparent wie Glas aber robuster, bruchsicher und kostengünstiger.
00:15:40: Die Flugzeugteile sind originale.
00:15:42: Sie besorgt sie über Restpostenhändler und Auktionen für ausgemusterte Teile, was sie dort findet existiert bereits seit
00:15:49: Jahrzehnten.".
00:15:52: Diese handgefertigten Glasteile werden mit den anonymen Objekten des Flugzeugs kombiniert.
00:15:57: Ich neige dazu die Teile die ich bekomme nicht zu verändern.
00:16:00: Sie sind von sich aus originell und tragen Narben Schmutz-und Risse in sich.
00:16:05: Aber ich versuche das Glas mit meinen Händen herzustellen mit diesem Handwerk, damit es sich ganz anders anfühlt.
00:16:12: Beide werden von Menschen gemacht aber das eine ist anonymer und maschinell gefertigt.
00:16:17: Es hat einer Rauheit und einen industriellen Charakter.
00:16:21: Das andere ist ein sorgfältigeres und zeitaufwendigeres Handwerk.
00:16:25: Wenn sie zusammenkommen entsteht diese merkwürdige Lücke dazwischen Zeitlich handwerklich Und in ihrer Maßstäblichkeit
00:16:35: Herausgelöst.
00:16:36: aus dem Flugzeug verlieren die Teile ihre Funktion und werden im Ausstellungsraum plötzlich zu etwas Anderem.
00:16:42: Zu Relikten, zu Körpern, zu Fragmenten einer surrealen Welt.
00:16:47: Das Fliegen bekommt bei Kim fast etwas Sakrales.
00:16:51: Das Bleiglas das an Kirchenfenster erinnert ist kein Zufall.
00:16:55: Fliegen wird zu einer vermeintlich heiligen Aktivität in einer globalisierten Gesellschaft umgedeutet.
00:17:01: Die Bewegungsfreiheit erscheint so als göttliche Akt.
00:17:05: Auch das Flugzeug selbst wird zum Meer.
00:17:08: Kim begreift es nicht nur als Material, sondern als Lebewesen.
00:17:12: Vor allem in der Skulptur almost like whale-watching die in der Ausstellung Future Horizons zu sehen ist wird das klar.
00:17:21: Dieses spezifische Werk Almost Like Whale Watching befasst sich mit dem Körper des Flugzeugs weil ich meine Erfahrungen auf ihn projiziere.
00:17:30: Ich denke oft daran, wie ich am Flughafen die nebeneinander geparkten Flugzeuge beobachte.
00:17:35: Und das Gefühl habe es sei fast wie das Betrachten von etwas organischem, gigantischem und vielleicht fremdartigem.
00:17:42: Sehr weit entfernt vor Menschen denn ist zunächst eine Maschine aber dann hat es eine sehr glänzende glatte Haut und bewegt sich transportiert Menschen durch extreme Bedingungen.
00:17:53: Es fühlte sich an wie das Beobachten von Wahlen oder Ähnlichem – sehr großen Tieren.
00:17:59: Aus den kleinen ovalen Fenstern eines Flugzeugs sieht man die parkenden Maschinen immer nur in Teilen.
00:18:06: Die Spitze des Flügels, der Rumpf mit dem Logo – die glatte Schnauze Das Ganze entzieht sich dem Blick.
00:18:14: Ich denke oft an das Wahlbeobachten.
00:18:16: Man sieht nie das ganze Tier!
00:18:18: Man sieht nur kurz Fragmente des Körpers an der Oberfläche Schwänze oder Rücken.
00:18:23: Für mich war es eine ähnliche Erfahrung.
00:18:26: Ich arbeite mit Teilen des Flugzeugs, weil man nie das vollständige Bild bekommt, sondern nur sehr kleine Teile nacheinander – auch wenn diese nicht wirklich menschlichem Maßstab
00:18:35: entsprechen.".
00:18:37: Die Flugzeugverkleidungen die das Herzstück von almost like whale-watching bilden sitzen unter dem Rumpf und regulieren die Aerodynamik während des Fluges Und je länger Kim mit diesen Teilen arbeitet, desto mehr löst sich die Grenze zwischen Maschine und Natur
00:18:52: auf.
00:18:54: Alle Aerodynamik ist aus der Wissenschaft herausentwickelt worden.
00:18:58: Und man versucht dabei, eine Logik aus der Natur abzuleiten – die Form von Delfinen oder Vögel nachzuahmen und den Druck auf die Flugzeuge zu reduzieren und eine effizientere Fortbewegung zu ermöglichen.
00:19:09: In diesem Sinne ist es der Natur- und den organischen Dingen der Wissenschaft näher.
00:19:13: Es ist kein Vogel uns kein Wahl sondern etwas dazwischen!
00:19:18: Diese Teile tragen Jahrzehnte in sich.
00:19:20: Kratzer Schmutz Patina.
00:19:23: Aus dem Kontext gerissen wirken sie wie Fusilien aus einer Zukunft.
00:19:27: Und in dieser Spannung zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen Ankommen und Aufbrechen liegt für Kim auch eine generationelle
00:19:35: Erfahrung.".
00:19:38: Indem ich diese zwei verschiedenen Welten kombiniere möchte ich darauf hinweisen dass es keine Frage von Ankunft oder Abflug ist.
00:19:45: Wir bewegen uns einfach ständig vorwärts – etwas womit unsere Generation sich sehr gut identifizieren kann.
00:19:52: Eine Erfahrung, die sich nicht nur in der Kunst zeigt sondern ganz konkret im eigenen Leben stellt.
00:20:01: Ich denke oft über die Idee nach ein Haus zu haben.
00:20:04: In der Generation unserer Eltern war es vielleicht die gesellschaftliche Norm das man ein Haus braucht Sich niederlassen und sein Platz finden muss.
00:20:12: Aber in unserer Generation sind wir frei, uns zu bewegen und haben das Privileg überall hingehen zu können.
00:20:18: Wir haben die Freiheit uns zu bewegen.
00:20:20: aber dann fragt man sich auch wo will ich in der nächsten Phase sein?
00:20:24: Ich denke oft viel über Heimat, Wohnen und darüber nach wo man bleibt oder wohin man geht.
00:20:30: Wir alle bewegen uns auf unterschiedliche Weise und es geht nicht darum sich an einem Ort niederzulassen.
00:20:36: Ich denke dass Flugzeug ist eine gute Metapher für Übergänge.
00:20:39: Das Unterweg seien im Allgemeinen.
00:20:43: Der richtige Weg, um Jujong Kims Werk das im Ausstellungsraum in der Blackbox hängt zu begegnen.
00:20:49: nicht sofort einordnen wollen.
00:20:52: Erst mal einfach stehen bleiben warten bis etwas auftaucht Ein Rücken?
00:20:58: Rumpf.
00:21:00: Man muss nur lernen hinzusehen Geduldig Wie beim Beobachten von Wahlen.
00:21:12: Mein Name ist Sarah Fischbacher und das war Future Horizons Folge fünf Julian Kim und Almost Like Whale-Watching.
00:21:22: Das Kunstwerk könnt ihr noch bis Juli,
00:21:25: Jh.,
00:21:26: in der Ausstellung Future Horizons der Alexander Tutscheckstiftung sehen.
00:21:30: In den Ausstellungsräumen Blackbox und Blackbox First Floor in Münchens Parkstadt Schwarbing.
00:21:37: Skript Jayamirani Produktion Forty Eight Forward.
00:21:42: Future Horizon ist ein Podcast der Alexander tutschecks Stiftung.
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