#4 Kiki Smith und "Mine"

Shownotes

Rote dreidimensionale Sterne mit harten Spitzen liegen symmetrisch angeordnet auf dem Boden verteilt. Das Werk trägt den Titel „Mine“ – im Englischen ein Wortspiel: mine bedeutet „meins“, aber auch Landmine – eine im Boden verborgene Waffe, die auf Menschen wartet. Kiki Smith hatte bei diesem Werk keinen Sternenhimmel im Kopf. Und weil sie aus Glas sind, tragen diese Sterne ein zweites Paradox in sich: Glas, das zerbricht, wird zu Scherben – aber auch zu Splittern. Was zart erscheint, kann verletzen.

Wir sprechen mit der amerikanischen Künstlerin Kiki Smith (*1954 in Nürnberg) und der Kuratorin Dr. Petra Giloy-Hirtz über

● das Werk „Mine“ (1999) und seine Bedeutung ● das Motiv der Sterne im Œuvre von Kiki Smith ● den Zugang der Künstlerin zu dem Medium Glas ● das Verhältnis von Kiki Smith zur Kirche und die Gestaltung der Kapelle Mary's Mantle in Freising

Ausstellung: Future Horizons – noch 19. Juli 2026 in der BlackBox und im BlackBox FirstFloor, Parkstadt Schwabing, München

Weiterführende Links ● Alexander Tutsek-Stiftung: https://atstiftung.de/ Publikation: About Glass. Contemporary Sculpture and Installations https://atstiftung.de/produkt/about-glass-contemporary-sculpture-and-installations/

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00:00:00: Rote Handteller große Sterne, dreidimensional.

00:00:03: Mit harten Spitzen liegen sie auf dem Boden verteilt – symmetrisch

00:00:07: angeordnet.".

00:00:09: Ich habe sie wegen

00:00:10: der Apokalypse

00:00:11: gemacht!

00:00:12: Das Werk heißt Mein im Englischen ein Wortspiel.

00:00:15: Mein bedeutet Mainz aber auch Landmine eine im Boden verborgene Waffe die auf Menschen wartet.

00:00:23: Bei diesem Werk hatte Kiki Smith keinen Sternenhimmel im Kopf.

00:00:29: Ich dachte daran, wenn die Sterne vom Himmel fallen.

00:00:33: Ich hatte schon andere Sterne gemacht, schwarze Sterne und klare Sterne aber ich dachte an sie wie an Minen.

00:00:41: Im Englischen nennt man die Bomben, die man in den Boden pflanzt und auf die Menschen treten, Mainz.

00:00:48: Also machte ich sie so

00:00:53: Und weil sie aus Glas sind, tragen diese Sterne ein zweites Paradoxon in sich.

00:00:58: Glas das Zerbricht wird zu schärben und zu splittern – was zart erscheint kann verletzen!

00:01:11: Und auch wegen ihrer Ähnlichkeit mit Morgensternen aus dem Mittelalter diesen Waffen, mit denen man Menschen tötete.

00:01:21: Ich denke an die Apokalypse für die schlechten gesellschaftlichen und kulturellen Geschichten, aber eine, die eine sehr lebendige visuelle Sprache hat.

00:01:52: Seit Jahren sammelt, bewahrt und erforscht die Alexander Tutschek-Stiftung Glas im Kontext der zeitgenössischen Kunst.

00:01:59: Im Dezember two thousand startete die Stiftung mit einer Vision dem übersehenden und besonderen Kunst- und Wissenschaft Aufmerksamkeit zu schenken.

00:02:10: Daraus ist unter anderem eine der bedeutendsten Sammlungen von Glas in der zeitgenössischen Kunst weltweit geworden.

00:02:18: Heute, zum XXV.

00:02:20: Jubiläum der Alexander Tutschek Stiftung gibt die Ausstellung Future Horizons einen Einblick in diese Sammlung – genauso wie dieser Podcast!

00:02:28: Mein Name ist Sarah Fischbacher.

00:02:31: In jeder Folge schauen wir uns eines der ausgestellten Werke genauer an lernen Künstlerinnen und Künstlern kennen, und tauchen ein in die Welt von Glas an der zeitgenössischen Kunst.

00:02:42: Die Werke sind bis Juli, den Ausstellungsräumen Blackbox und Blackbox First Floor in Münchens Parkstadt Schwabing zu sehen.

00:02:52: Weitere Informationen findet ihr in den Shownotes.

00:02:55: Das ist Kiki Smith und Main.

00:03:20: Ich saß in einem Podium in Frankreich über die apokalyptischen Teppiche, diese wirklich unglaublichen großartigen Wandteppiche aus dem vierzehnten Jahrhundert.

00:03:41: Ich wette, in der französischen Popkultur gibt es nicht annähernd so viele Songs über die Apokalypse wie in den Vereinigten Staaten.

00:03:52: Und die Menschen, die sich damit intensiv befassen sehen das als den natürlichen Ausgang der Dinge

00:03:59: und

00:04:00: handeln entsprechend – in einer Weise, die den Menschen sehr schaden kann.

00:04:12: Der Teppich-Zyklus der Apokalypse ist der größte Wandteppich, der jemals in Europa gewebt wurde.

00:04:18: Er isst im französischen Schloss Angé in einem nineteenhundertfünfzig eigens zu diesem zweckerichteten Gebäude ausgestellt und stellt die Visionen aus der Offenbarung des Johannis dar.

00:04:29: Abgebildet?

00:04:30: Ein Biest mit sieben Köpfen, Heuschrecken mit menschlichen Gesichtern Die vier apokalyptischen Reiter.

00:04:39: Von den ursprünglich neunzig Szenen, die die dramatische Auseinandersetzung zwischen gut und böse am Ende der Zeit darstellen sind einundsiebzig erhalten geblieben.

00:04:49: Vorstrahlen dann mit Blumen.

00:04:50: über serten Hintergründen fällt Feuer vom Himmel, Städte stürzen ein.

00:04:55: uns Dämonen kämpfen gegen Engel.

00:05:00: Ich

00:05:00: bleibe meistens nah an der Realität.

00:05:03: ich gehe nicht so weit mit Dingen wie Bestien Aber es gibt immer noch diese elementaren Dinge.

00:05:08: Die Sonne, der Mond die Sterne das Wasser.

00:05:12: Als ich mein machte dachte Ich an Landminen und an die Apokalypse.

00:05:22: Sterne durchziehen Kiki Smith Werk wie ein Roterfaden.

00:05:26: Sie tauchen auf in Zeichnungen Tapessorien und Skulpturen Mal als astronomische Phänomene mal als mystische Symbole Mal als Tiere des Tierkreises, wie in ihren auf Nachtblaum-Nepal-Papier ausgebreiteten Glasarbeiten.

00:05:40: Und auf Smith's Haut – als Tattoos an ihrem Arm!

00:05:44: In Main aus dem Jahr nineteenhundertneunundneunzig kippt diese Bedeutung.

00:05:49: Aus dem Kosmischen wird das Militärische, aus dem Mystischen das

00:05:54: Bedrohliche.".

00:05:56: Manchmal sieht man im mittelalterlichen Drucken fallende Sterne, Sternschnuppe.

00:06:02: Ich mache viele Dinge mit Sternen, die für mich alle möglichen Bedeutungen haben.

00:06:07: Aber diese hier ... ja ich dachte an wenn die Sterne vom Himmel fallen und das Blut das Meer füllt.

00:06:15: Denn das sage ich immer wir leben auf dem Mordplaneten.

00:06:32: Kiki Smith ist eine der herausragenden Künstlerinnen der Gegenwart.

00:06:36: Über einen Zeitraum von fast fünf Jahrzehnten hat sie ein vielschichtiges Werk geschaffen, das sich vor allem mit den politischen sozialen philosophischen und spirituellen Aspekten des Menschseins auseinandersetzt.

00:06:48: Ihre Erkundungen des Körpers sind ohne Tabus – unbehagen, ohne die Grenzen der Scham zu scheuen!

00:06:55: Sie befassen sich mit Geburt, Alter Tod- und Sterben Verwundung und Heilung Wiederbelebung Sexualität Geschlecht Identität und Erinnerung.

00:07:06: Smith wird in Nürnberg in Bayern geboren und wächst in South-Orange, New Jersey auf.

00:07:14: Sie ist die Tochter von Toni Smith, einem der bedeutendsten minimalistischen Bildhauer der neunzehnhundertsechziger Jahre und der Opernsängerin Jane Lawrence Smith.

00:07:23: In der Villa ihrer Eltern gehen Freunde ein und aus, sie zu Avongar zählen – an den Wänden hängen Werke von Barnett Newman und Mark Rothko.

00:07:32: Kunst ist für Kiki Smith von Kindesbeinen an Nichtberuf sondern lebensweise.

00:07:39: Und doch will sie nicht unbedingt Künstlerin werden!

00:07:42: Kiki Smith interessiert sich zunächst für das Kunst-Handwerk, die dekorativen Künste – Die Dinge des Alltags.

00:07:49: Ihre eigentliche Ausbildung ist vor allem praktisch.

00:07:53: Sie eignet sich technikenautodidaktisch an in Workshops und in der Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern.

00:08:00: Heute arbeitet Smiths skulptural grafisch und fotografisch.

00:08:05: Sie nutzt ein breites Materialspektrum, von Wachs, Papier, Glas, Keramik und Gips bis hin zu Branche und Stoff.

00:08:13: Ein Spektrum das sie kontinuierlich weiterentwickelt.

00:08:18: Für Smith's erste Begegnung mit dem Material Glas braucht es eine Einladung.

00:08:26: Ich

00:08:27: begann mit Glas im Glass Workshop in der Marlbury Street, in New York.

00:08:32: Das war Anfang der nineteen hundertachtziger Jahre weil ich eingeladen wurde eine Ausstellung im Kitchen zu machen einem alternativen Raum für Performance und alle möglichen Dinge.

00:08:45: Amy Tauben Kuratorin und Filmkritikerin lädt Kiki Smith ein Eine von Smith ersten Ausstellungen.

00:08:53: Taubens Erzählungen werden sogar zu Inspiration für Smith.

00:09:00: Ich

00:09:00: arbeitete gerade an einem Projekt mit Dias und so weiter, Und sie erzählte mir dass ihr Bruder Arzt sei und das er von Menschen fasziniert sei die Gegenstände verschlucken.

00:09:10: Menschen die zwanghaft Dinge verschlücken.

00:09:13: Menschen

00:09:14: haben all diese verschiedenen seltsamen neurotischen Beziehungen zu ihrem Körper Aber diese Leute schluckten tatsächlich Stifte und Sicherheitsnadeln, und all so etwas.

00:09:26: Und ich hatte die Idee einen Magen aus Glas zu bauen, damit ich ihn mit all diesen Dingen füllen

00:09:31: konnte.".

00:09:34: Die Zerlegung des Körpers und die Betrachtung einzelner Organe zieht sich durch Smiths gesamtes Werk.

00:09:40: Dabei geht es ihr nicht nur um die Schönheit des Körperes sondern auch um seine Stärke und Zerbrechlichkeit.

00:09:46: Gleichzeitig zeigt sich darin ihre fast mystische Faszination für das Leben, für die verborgenen Kräfte, die in einem lebenden Organismus wirken.

00:09:56: Den gläsernen Magen lässt Smith am Ende leer – durchsichtig und kühl wie ein Laborgefäß!

00:10:02: Das Organ als bloße Form losgelöst von seiner Funktion.

00:10:07: Unsere Körper werden uns im Grunde genommen, geraubt, sagt Kiki Smith.

00:10:12: Ihre Kunst ist der Versuch sie

00:10:14: zurückzuerobern.".

00:10:16: Die Werkstatt, in der Smith-Eins mit Glas begonnen hat, existiert bis heute.

00:10:21: Der

00:10:22: Workshop existiert noch heute – er heißt jetzt Urban Glass und ist nach Brooklyn umgezogen.

00:10:29: Es war wirklich interessant, denn es gab sehr strenge Regeln wie man sich in einer Glaswerkstatt bewegen darf.

00:10:36: Man darf nicht einfach quer durch den Raum gehen — es gibt viele Regeln in dieser Welt!

00:10:42: Es ist ein wirklich gefährliches Material mit dem man nicht einfach herum spielen sollte.

00:10:48: Und es ist ein sehr, sehr magisches Material.

00:10:52: Kiki Smith ist fasziniert von Glas und fängt an mehr mit diesem Material zu arbeiten.

00:10:58: Es wird zu einem wiederkehrenden Bestandteil in ihrer Kunst.

00:11:01: Nicht nur die Materialität selbst sondern auch die verschiedenen Verarbeitungen reizen sie.

00:11:14: Es gibt so viele verschiedene Anwendungen und Eigenschaften.

00:11:18: Man kann es in Metallformen blasen oder treiben, es kann Transparenz sein, es können auch O-Park sein, Matte oder Glänzen.

00:11:28: Es gibt Farbschichten – man kann Mikromosaiken machen, Glasfäden spinnen, sie zusammenfügen, schmelzen, schneiden und Bilder entstehen lassen.

00:11:40: Es ist eines der ältesten Materialien.

00:11:43: Glas kann bei Blitz-Einschlägen am Strand entstehen, es hat eine außerordentlich reiche Geschichte –

00:11:50: es gibt

00:11:51: so viele Möglichkeiten!

00:11:53: Es ist sehr

00:11:54: unendlich.".

00:12:02: Nach ihren Anfängen in der Mulberry Street gelangt Kiki Smith an die bedeutendste Schule für zeitgenossische Kunst mit dem Material Glas Die Pilchak Glass School in Washington State, in der Nähe von Seattle, die wir schon in der ersten Folge dieses Podcasts kennengelernt haben.

00:12:23: Dann wurde ich eingeladen an der Pilchack Glass School zu arbeiten.

00:12:27: Sie liegt

00:12:28: nördlich von Seattle in Washington State.

00:12:32: Meine Mutter stammte aus einer Gegend zwei Ortschaften weiter nörddlich,

00:12:37: als

00:12:37: Kind hatte ich Zeit dort verbracht.

00:12:39: Es war damals ein riesiges Holzfellergelände mit Mammutbäumen sehr schön und sehr magisch.

00:12:49: In Pilchuk lernt Smith zwei Techniken kennen die ihr Glaswerk prägen werden Die Lampenarbeit und den Glaskus

00:12:58: Lampglass, somebody showed me how to do lamp glass one afternoon and then I could do it.

00:13:06: Beim

00:13:06: Lampenglas zeigte mir jemand an einem Nachmittag, wie es geht.

00:13:11: Und

00:13:11: dann konnte ich es!

00:13:12: Weil man einfach mit Glasstäben arbeitet – sie erhitzt, zusammenfügt und formt.

00:13:19: Ich machte kleine Vogelnäster die ich sehr mochte.

00:13:23: Ich arbeitete mit Glasbläsern.

00:13:25: Ich

00:13:25: habe alles so einfach wie möglich gehalten weil ich nicht wollte dass jemand anderes zu viel Einfluss darauf nimmt oder seine eigene Handschrift einbringt.

00:13:36: Also machte ich Unmengen von Tropfen, Tränentropfen

00:13:40: und Bluttropfen.

00:13:42: Manche

00:13:42: lagen auf dem Boden, manche schnitt dich an sodass sie aufrecht standen wie bei einem Aufpreil.

00:13:49: Und das andere war dass sich Glas goss.

00:13:52: wir machten Wachsmodelle die dann abgegossen wurden.

00:13:56: So konnte man komplexe Reformen machen, aber es war meins.

00:14:01: Das eine war Zeichnungen zu machen das andere tatsächliche Objekte zu schaffen und sie ausschmelzen zu lassen wie man es bei Bronze macht.

00:14:16: Kiki Smiths Arbeitsstil ist im Kern eigenständig.

00:14:19: Sie besteht darauf so viel wie möglich selbstzumachen mit den Händen unmittelbar in Material.

00:14:25: Gelegentlich öffnet sie sich für Zusammenarbeit, wenn sie die Fähigkeit eines anderen Meisters braucht.

00:14:36: Dann machte

00:14:36: ich mit Pino Signoretto

00:14:38: eine riesige

00:14:38: Glasminagerie.

00:14:40: Ich brachte Plastiktiere, Bilder von Tieren, Zeichnungen und Illustrationen.

00:14:45: Ich sagte so sieht dieses Tier

00:14:46: aus!

00:14:48: Das

00:14:48: war vielleicht das zweitbröste Glaswerk dass ich je gemacht habe aber es war schwer für mich seinen Anteil als meinen zu beanspruchen.

00:14:55: Er war wirklich einer der besten Vollglasarbeiter in der Welt.

00:14:59: Es

00:14:59: sah zwar so aus wie ich es wollte Aber ich hatte keinen Anteil daran.

00:15:03: Ich sagte nur wie es gemacht werden sollte.

00:15:23: Ein entscheidendes Kapitel ins Missarbeit mit Glas spielt sich in München ab.

00:15:27: Eine wichtige Rolle dabei hat Kuratorin Petra Giloy-Hirz, die über Jahrzehnte eng mit Smith zusammenarbeitet.

00:15:34: Ich hätte das große Glück im Raum einer Trilogie in den Nr.

00:15:36: der Ski-Museum Freising eine Ausstellung machen zu dürfen.

00:15:41: und Kiki Smith kannte ich ihr Werk insbesondere durch Barbara Groß, deren Galerie damals wirklich führen war in der Entdeckung von Frauen besonders.

00:15:51: Und kannte so Kiki Smith und konnte sie einladen.

00:15:54: wir hatten einen wunderbares Budget das heißt ich konnte sie Einladen als Artist in Residence dass ihr eine Arbeit schaffen kann und nicht nur wer die Sie bereits hat zur Verfügung stellen und Kiki war schon weil sie das Material liebt schon sehr in Glas in dem Materiaglas unterwegs und hat dann auf, glaube ich, auf Rat auch Empfehlung ihres Künstlerfreundes Raimond Kummer die Meierche Hofkunstanstalt entdeckt.

00:16:21: Und er hat dort zum ersten Mal gearbeitet.

00:16:23: für unsere Ausstellung im Dürrzesanmuseum.

00:16:27: der Beginn von Smith Kooperation mit der Meierschen Hofkunstanstalt einer der ältesten und renommiertesten Werkstätten für Glasmalerei weltweit.

00:16:37: Renommierte Künstlerinnen und Künstlern von Georg Baselitz bis Shasia Sikanda haben hier ihre Ideen realisiert.

00:16:44: Für Kiki Smith ist dieses Haus seit Jahren eine Art künstlerische Heimat in München.

00:16:56: Ich ging dorthin und lernte Gabriel Meyer und seinen Sohn und Michael Meyer kennen.

00:17:02: Ich sagte einfach aus dem Stehgreif, ich werde hierher kommen, arbeiten machen und Teil eurer Familie werden.

00:17:11: Ich

00:17:11: glaube sie schaute mich an als wäre ich verrückt aber es kam so weil Petra mich einloot an eine Ausstellung teilzunehmen.

00:17:23: In München arbeitet Smith intensiv mit Bundglas, einer Technik die sich grundlegend von ihren bisherigen Glasarbeiten unterscheidet.

00:17:31: Statt zu gießen oder zu blasen, arbeitet sie nun an einem Leuchttisch.

00:17:36: Sie legt ihre Zeichnungen darunter und setzt das farbige Glas systematisch nach der Vorlage zusammen.

00:17:45: Und das Licht, dass durch das Glas fällt?

00:17:47: Buntglas hat es ermöglicht große Gebäude zu bauen.

00:17:52: Man hätte diese gotischen Kathedralen nicht bauen können ohne Licht durch kleine Glassstücke einzulassen.

00:17:58: Ohne Bundglas hätte es keine offenen Räume in diesem Maßstab gegeben.

00:18:04: Bundglass hat die moderne Welt zu einem großen Teil erschaffen.

00:18:08: Das hat Michael Maier gelehrt.

00:18:12: Für Kiki Smith, die seit ihrer Kindheit von der katholischen Kunst und Ikonografie geprägt ist, ist diese Erkenntnis mehr als Architekturgeschichte.

00:18:20: Sie ist etwas Persönliches.

00:18:24: Es ist kompliziert!

00:18:26: Es ist ein komplizierter Albtraum Aber ich bevorzuge das.

00:18:31: Ich bin

00:18:31: nicht auf eine katholische Schule gegangen Also hatte ich eine sehr gute Erfahrung damit, Katholisch zu sein.

00:18:39: Ich war sehr fasziniert von den Geschichten und der Schönheit der Kirche, all den verführerischen Teilen, der Materialität der Dinge.

00:18:49: All das hat mich sehr beeinflusst, Künstlerinnen zu

00:18:52: werden.".

00:18:56: Doch diese Liebe zur Kirche ist keine Unkritische – für Smith ist er Katolizismus nicht nur Bilderwelt-und Rituale, Und diese Realität zeigt sich ihr in New York, in den Achtzigerjahren.

00:19:10: Smith-Jüngere Schwester Beatrice stirbt in den Folgen von AIDS.

00:19:16: In derselben Zeit erlebt Smith hautnah wie die Kirche, die sie so fasziniert mit Gefühl und Ausgrenzung gleichzeitig praktiziert.

00:19:27: So wie in den Achtziger Jahren, als in New York die AIDS-Epidemie ihren Anfang nahm, sprach sich die katholische Kirche selbst – der Kardinal – sehr deutlich gegen Homosexualität aus und behauptete auf geradezu blasphemische Weise es sei einfach der Lauf der Natur das Menschen sterben usw.

00:19:49: Aber gleichzeitig nahmen die Frauen Die Nonnen, die die katholischen Krankenhäuser leiteten jeden auf während viele andere Krankenhäuser dies nicht taten.

00:20:00: Und eines davon befand sich im West Village und wurde wirklich zum Zentrum der Pflege von AIDS-Kranken.

00:20:08: Es gibt also immer diese Zweiteilung zwischen Mitgefühl und Inklusion und all den anderen seltsamen Dingen, die passieren.

00:20:18: Dieser Widerspruch Ausgrenzung und Führsorge, Dogma und Gnade hat Smith Verhältnis zur Kirche bis heute geprägt.

00:20:26: Nicht als Bruch sondern als Spannung die sie künstlerisch produktiv macht.

00:20:31: Diese Beziehung zu Kirche gipfelt in einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Diocesanmuseum und Petra Giloy-Hirz.

00:20:39: Es ist ein großer Bogen der sich das schlägt von unheimlich bis zum Jahr Weil dieses Diözesanmuseum umgebaut wurde, nach einer langen Umbaufase sich wieder der zeitgenössischen Kunst zuwenden wollte und sich gewünscht hat das zeitgenöstische Künstlerintervention dort machen.

00:20:59: Und man hat mich gefragt, dort als Korrektorin frei zur arbeiten.

00:21:04: Ich habe Kiki Smith vorgeschlagen was großen Anklang fand.

00:21:08: Kiki Schmidt gibt aber nicht ihre Arbeiten um sie im Museum auszustellen.

00:21:11: Sie hat einen langehegten Wunsch den sie nun verwirklichen kann Eine Kapelle bauen, die Chapel of Mary's Mental.

00:21:18: Eine begehbare Skulptur gebaut in Zusammenarbeit mit den Architekten Brückner und Brückna.

00:21:25: Aus einem persönlichen Ringen mit dem Glauben ist ein konkreter, begehbarer Ort geworden

00:21:31: Und Kiki hat eben für diese Kapelle ganz fantastische Arbeiten gemacht.

00:21:36: Die Taube auf dem Dach, den fliegenden Vogel in der Kapella selber ein mystischer Andachtsraum.

00:21:42: ihre Sterne kommen dort zur Geltung der gewebte Mandel der Mutter Gottes, die ja auch der Kapell den Namen gibt.

00:21:50: aber das zentrale Stück ist eben... Das

00:22:16: Zentrum der Kapelle ist Maria.

00:22:26: Ich liebte schon immer die Schutzmantel Madonna, in ihrer Darstellung.

00:22:32: Wie die ägyptische Himmelsgöttin Nut ist.

00:22:34: sie repräsentiert mit ihrem Mantel aus Sternen als ob sie selbst der Himmel wäre.

00:22:40: und für mich – für diese Kapelle wollte ich das so!

00:22:44: Den

00:22:44: Mantel übernehmen.

00:22:46: wenn man den Mantel von etwas übernimmt übernimmt man die Verantwortung.

00:22:51: Eine Verantwortung zu einer Art Aktivismus oder Wandel in sich selbst, nicht unbedingt in einer formalen Weise sondern als Veränderung in sich selber gegenüber anderen Menschen.

00:23:19: Die Kapelle wird in dem Jahr- und Zwanzig fertiggestellt.

00:23:23: Ein kleiner Zentralbau, vier Meter breit, acht Meter hoch aus dunkelmat glänzenden Biberschwanzziegeln.

00:23:31: Der Innenraum misst gerade einmal neun Quadratmeter.

00:23:34: Er wirkt wie ein begehbarer Schutzmantel.

00:23:37: Gegenüber der Eingangstür aus Eichenholz fällt der Blick nach oben.

00:23:42: Das große elliptische Fenster lässt Licht herein auf eine goldene Taube mit ausgebreiteten Flügeln.

00:23:48: Eine Umarsch an die Nonnen, die Verantwortung übernahmen in New York.

00:23:59: Es ist eine spirituelle und gesellschaftliche Herausforderung.

00:24:04: Ich bewundere viele der Nonnen Und ich bewunderoe die katholische Kirche in dieser Zeit In den Vereinigten Staaten für ihre Haltung.

00:24:13: Sie

00:24:13: kann diese Radikalität in sich tragen.

00:24:16: Also machte ich diese kleine Kirche und dann machtte ich den Mond, den ich immer mit Maria verbinde als Bundglasbild.

00:24:25: Und das wurde bei Maya gemacht.

00:24:36: Ich denke es ist ihr Wunsch diesen Raum der Stille, diesem Raum der Amndacht zu schaffen und ihn der Maria zu widmen, die sie eben nicht als die leidende Mutter sieht, die ihren Sohn betraut.

00:24:53: Sondern sie sieht in ihr glaube ich – soweit ich mich erinnere – ein Vorbild an Stärke, an Humanität, an Liebe, Empathie angeben.

00:25:02: Und Sie sieht Maria als ein Vor Bild für eine selbstbewusste Frau.

00:25:08: Sie hat sich ja immer mit Frauen gestalten befasst und mit dem weiblichen Körper und der Verbindung der Frau zur Natur.

00:25:18: Kiki Smith setzt sich in ihren Arbeiten, Skulpturen und Installationen seit Jahrzehnten mit den weiblichen Figuren auseinander – mit Biblischen wie Eva und Lilith aber auch Fabelwesen- und Märchenfiguren wie Rotkäppchen.

00:25:33: Oft sind sie in Begleitung von Tieren wie Wölfen, Vögeln oder Wilde, auch in San Geneviève and the Deer aus dem Jahr nineteenhundertneunzig ebenfalls in der Sammlung der Alexander Tutschek Stiftung.

00:25:46: Das Werk besteht aus zwei Glasbildern mit den für Kiki Smith so typischen Zeichnungen.

00:25:51: Einmal die heilige Genophäfer und einmal eine Hirschkuh.

00:25:59: Sie

00:25:59: gilt als Friedensstifterin für einen

00:26:01: Krieg

00:26:02: Und so sah ich dieses kleine Gemälde, auf dem die Hirsch-Kuh und nicht der Löwe Der Wolf und das Lamm zusammen liegen.

00:26:12: Irgendwie kamen die Hirsche-Ku darin vor.

00:26:15: Ich glaube, es war die Hirschkuh mit dem Mond.

00:26:18: Aber ich mochte es vor allem, weil ich diese Figur habe und es eine Gelegenheit war, Zeichnungen von ihr zu machen – Skulpturen!

00:26:27: Ich machte Skulptoren von ihr, die aus einem Wolf heraus kamen wie Rotkäppchen und eine Skulptur von ihr ,die aus einer Hirschku geboren wurde.

00:26:39: Ich gehe einfach dahin, wohin mich mein Geist

00:26:41: führt.".

00:26:44: Tiere sind Begleiter in Kiki Smith Werk.

00:26:47: Es geht um Freundschaft über Leben und Schutz, wie in der Geschichte der heiligen Genophäfer von Brabant.

00:26:53: diese Floh vor falschen Anschuldigungen und lebte mit ihrem neu geborenen Sohn sechs Jahre an einer Höhle wo sie von einer Hirschkuh versorgt wurde.

00:27:13: Die meisten von ihnen stehen für eine Art Güte, Fürsorge oder Mitgefühl gegenüber der natürlichen Welt.

00:27:21: Und dafür sich selbst in Verbindung mit der natürliche Welt zu sehen – was eine wichtige und nützliche Sache

00:27:28: ist.

00:27:29: Sich als Teil einer Gemeinschaft mit anderen Menschen zu sehen Und in Gemeinschaft mit allen lebenden und nicht-lebenden Dingen.

00:27:38: Wir existieren nicht ohne die natürliche

00:27:40: Welt.".

00:27:52: Kiki Smith zeigt die Tiere in ihren Werken also nicht nur als Freundinnen und BegleiterInnen, sondern auch als Erinnerung wie gefährdet ihre Lebensräume – und dadurch auch unsere sind!

00:28:03: Wie diese Gefahr in den so schönen Figuren von Kiki Smith stecken kann, erklärt Petra Giloy-Hirz.

00:28:09: Und das ist etwas auf das Kiki auch unbedingt hinweisen möchte – also die Bewahrung der Schöpfung und

00:28:16: die

00:28:16: Achtsamkeit sind ein ganz zentrales Thema.

00:28:20: Und Kiki macht eben nicht nur diese schön mehrchenhaften Figuren, sie beginnt natürlich mit sehr provokanten Irritierenden Skulpturen und Zeichnungen am Beginn, Mitkörperflüssigkeiten und den Organen der Frauen die sie in provokanter Weise geradezu gestaltet.

00:28:42: Und später hat man ihr zum Vorwurf gemacht Sie habe ihre kritische Weise verloren weil die Dinge so schön sind zu harmonisch sind.

00:28:49: Das ist aber meines Erachtens nicht richtig, ganz im Gegenteil.

00:28:52: Sie schafft ein ganzes Universum in der sozusagen Regenerationversöhnung Harmonie möglich ist, aber auch die Gefährdung gezeigt wird zum Beispiel die vergifteten Krähen, die vom Himmel fallen.

00:29:09: Die Doppelbürdigkeit der Dinge, die sie schafft wie mein was eben auch nicht nur die schönen Sternler sind sondern eben Mienen, die eine Sprengkraft haben.

00:29:20: Das heißt für Kiki Smith es ist immer bedeutsam wie sie sagt it's about meaning.

00:29:26: Es geht um Inhalt und Bedeutung nicht nur um diese Schönheit, die manchmal als erstes ins Auge fällt also dieses Erstaunen, diese Wunder in dem Kosmos.

00:29:41: Das ist das, was vielleicht als erstes ins Auge fällt bei ihrem späteren Werk und als zweites erst wie sehr sie sich damit auch politisch, ökologisch und kulturell und so weiter positioniert.

00:29:56: Kiki Smith ist heute über Siebzig eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen einflussreich für eine neue Generation.

00:30:03: Was sie antreibt, es schwer an Kategorien zu fassen – aber genau das scheint ihr Programm zu sein!

00:30:10: Sie ist so unkonventionell und sie ist nicht akademisch.

00:30:14: Und sie bereist die Welt auch im Kopf, die Kultur in der Vergangenheit.

00:30:19: Sie nimmt sich überall Anregungen auf und schafft daraus etwas ganz Neues.

00:30:24: und dieses Vorurteilsfreie das sie damit hat und die Anerkennung der Diversität und des anderen Und wie sie das zusammenbringt, auch die verschiedenen Religionen zusammenbringt.

00:30:41: Die verschiedenen Kulturen zusammenbrängt ist ganz einzigartig!

00:30:45: Keine feste Sprache, keine feste Form, kein Festhalten an dem was gerade funktioniert.

00:30:51: stattdessen Neugier auf Materialien, auf Figuren, auf Ideen und vor allem auf Menschen.

00:30:59: Was Kunst für Kiki Smith bedeutet?

00:31:04: Deine Interessen ändern sich.

00:31:06: Die Werke, die ich mir gerne anschaue... Ich schaue mir alle möglichen Arten von Werken an.

00:31:13: Mich faszinieren besonders Werke,... ...die eher formal oder abstrakt sind,... ...oder keinen erkennbaren Inhalt haben,... ...abgesehen von der Ästhetik oder ähnlichen Aspekten.

00:31:25: Kunst ist einfach großartig,... ...weil sie ein großer offener Raum ist!

00:31:33: und Kunst ist ein großer, offener Raum.

00:31:36: Und Dinge fließen einfach hindurch.

00:31:39: An bestimmten Punkten werden bestimmte Dinge gesehen – und dann können sie wieder verborgen werden oder verborgan bleiben.

00:31:48: Darauf hat man keinen Einfluss.

00:31:50: Man muss also einfach tun was einem aufgetragen

00:31:53: ist.

00:31:54: Nicht unbedingt das Beste was man könnte sondern man tut einfach was man tut.

00:32:00: Tut

00:32:01: was du tust!

00:32:02: Und schau, wohin es dich führt.

00:32:04: Und hoffentlich triffst du unterwegs interessante Menschen.

00:32:08: Andere Menschen sind immer interessant!

00:32:11: Ich habe das Gefühl, dass ich viele wirklich wunderbare Künstler und Menschen aus der Kunstszene kennengelernt habe – und das macht das Leben interessant.

00:32:28: Mein Name ist Sarah Fischbacher und das war Future Horizons Folge vier Kiki Smith & Mine.

00:32:36: Das Kunstwerk könnt ihr noch bis Juli, Juli.

00:32:40: in der Ausstellung Future Horizons Der Alexander Tutscheck Stiftung.

00:32:44: In den Ausstellungsräumen Black Box und Black Box First Floor in Münchens Parkstadt Schwabing.

00:32:51: Skript- und Interview Jaya Mirani Produktion Forty Eight Forward.

00:32:57: Future Horizon ist ein Podcast der Alexander Tusschecks Stiftungen.

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